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Angedacht - Vom Hören

20. Dezember 2019 12:00 von Manuel Bendig | Kategorie: NRW, Jugend, Bayern

Foto: RobinHiggins pixabay.com

Gedanken über eine besondere Art des Hörens

Unlängst wurde in den Medien berichtet, dass ein junges, gehörloses Mädchen durch ein Implantat erstmal hören kann. Andererseits kennt nahezu jedes Kind den Spruch seiner genervten Eltern: „Du kannst einfach nicht hören!“ In Beziehungen, die sich in einer Krise befinden, wird immer wieder auf das mangelnde Zuhören des Partners hingewiesen.

Im Alltag wird die Fähigkeit zu hören in den großen Topf der Verallgemeinerungen geworfen. Dabei ist das erstmalige Hören des jungen Mädchens überhaupt nicht mit dem des ungehorsamen Kindes oder gar des Partners, der offensichtlich nicht am Zuhören interessiert ist, zu vergleichen.

Während sich die Ersthörende der Vielzahl von erstaunlichen Geräuschen und den phantastischen Klängen hingibt, fühlen sich Kinder und Eltern durch die ständige Auseinandersetzung genervt. Wissen doch beide Seiten, dass die Töne z.B. von Bitten oder Ansagen zwar im Ohr (und auch im Gehirn) angekommen sind, die Bereitschaft der Umsetzung des Gehörten aber ausbleibt. Die Gründe, weshalb der Eindruck entsteht, dass in einer Beziehung nicht zugehört wird, füllt ganze Buchregale und sind uns aus eigenen Erfahrungen wohl bekannt.

Das Mädchen zeigt in den ersten Stunden ihres Hörlebens neben der Anstrengung, Geräusche zuzuordnen und zu benennen, eine unbändige Freude über das Gehörte.

In seinem dritten Lied formulierte der Prophet Jesaja einen interessanten Gedanken, der für uns und unser Hören hilfreich sein kann: „Alle morgen weckt er mir das Ohr, dass ich höre, wie Jünger hören.“ (Jes. 50,4)

An dieser Aussage fasziniert mich, dass hier nicht der erhobene Zeigefinger Gottes beschrieben wird, der mit strengem Unterton mein (zu) Hören einklagt. ER ist es, der mein Ohr weckt!

Geräusche, auch die der Sprache, nehmen wir sehr wohl wahr. Es fehlt uns aber immer wieder die Bereitschaft und der Wille, das Gehörte umzusetzen.

Weiter heißt es, dass Gott das Ohr zum Hören weckt. Nicht zu irgend einem Hören!, sondern zum Hören wie ein Jünger hört.

An dieser Stelle komme ich ins Grübeln. Habe ich mir doch noch nie in meinem Leben bewusst Gedanken darüber gemacht, wie ein Jünger hört. Von Kindesbeinen an habe ich zwar gelernt, auf das Wort Gottes zu hören. Dabei habe ich mich aber nie gefragt, mit ‚welchem Ohr‘ ich höre. In der Kommunikation sprechen wir von vier Arten zu hören1. Der Prophet Jesaja erwähnt hier nur das Hören wie Jünger es tun.

Beim Nachdenken darüber, wie du als Jünger*in hörst, wünsche ich eine gesegnete Zeit

 
Manuel Bendig

1 Wikipedia

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